Starke Frauen

Ehe ist eine ganz persönliche Entscheidung

Christa ist geschiedene Ehefrau und Mutter und spricht mit uns über Aufklärung und Tabuthemen in ihrer Jugend und was sie über die Ehe denkt.

Liebe Christa, Sie sind Anfang 50 und seit mehr als 10 Jahren geschieden. Hat sich rückblickend an ihrer Sexualität seit der Scheidung etwas verändert – und wenn ja, was?

Verändert hat sich viel, vor allem die Perspektive und die Wichtigkeit von Sexualität im Leben, das Sprechen und gleichzeitig das Informieren darüber. Es war immer ein Bestandteil in meinem Leben. Aber da ich sehr konservativ erzogen wurde und in die Ehe ohne viele Vorkenntnisse geschritten bin, habe ich alles für normal angenommen. 

Ich hatte einige Beziehungen nach meiner Scheidung und lernte dadurch anderes kennen. Jetzt bin ich auch durch meine beiden Töchter aufgeschlossener und spreche darüber bzw. diskutiere sogar mit ihnen. Ich kenne vieles nicht, was diese beiden Frauen schon jetzt selbstbewusst von sich geben. 

Im Moment bin ich in keiner Beziehung. Da ich die schönen Seiten der Sexualität kennengelernt habe, fehlt mir diese nun schon, was Jahre zu vor nicht der Fall war! Dennoch gehe ich keine rein sexuelle Beziehungen ein. Ich bin leider immer noch so romantisch bzw. altmodisch, so dass für mich Gefühl und Emotion dabei sein muss.

Wir haben Ihre Tochter als eine sehr offene, mutige und ehrliche junge Frau erlebt, die selbstbewusst über ihre Sexualität spricht. Wir sind absolut begeistert von ihr. Haben Sie in der Erziehung dazu beigetragen, dass Ihre Tochter sich so entwickelt hat? Wenn ja, wie? 

Ich denke, dadurch, dass ich mich auch für das Thema mehr interessiere und offener geworden bin, sprechen wir sehr natürlich über das Thema – und so habe ich auch einen Beitrag geleistet, ja. Über Verhütung, Aufklärung und den weiblichen Körper habe ich mit meinen Kindern schon immer offen gesprochen. Jetzt wiederum lerne ich auch von ihnen. 

Jeder 3. Deutsche nutzt Dating-Plattformen, um Bekanntschaften zu machen. Nutzen Sie Dating-Plattformen? Wie lernen Sie Männer kennen? 

Ja, ich nutze solche Plattformen auch. Ansonsten lerne ich nur selten Männer kennen, da ich nicht häufig ausgehe. Durch private Umstände habe ich in den letzten Jahren die Welt da draußen etwas vernachlässigt. 

Ich bin mit einer Freundin nun am Umsetzen eines Projektes, dass Single-Frauen und Single-Männer auf einem hohen Niveau und ungezwungen zusammen bringen soll. Wir wollen Events veranstalten, zu denen nur Singles kommen, sodass man sich nicht immer unwohl fühlen muss, weil man das 3. oder 5. Rad am Wagen ist. Das würde viele Singles schon helfen! 😉

Sind Sie auf der Suche nach einer festen Beziehung? 

Ich bin auf der Suche nach einer festen Beziehung, da ich die schönen und die weniger schönen Dinge im Leben teilen möchte. Die Liebe ist das höchste und größte Gut und Geschenk im Leben. Sie beflügelt und macht stark, sie lässt einen werden, wozu man bestimmt ist, wachsen, nehmen und vor allem auch geben. Es ist einfach herrlich: Liebe in seinen unterschiedlichsten Formen zu erleben, auch mit Sexualität verbunden, das Neue, das Experimentieren und Erfahren, das Erleben zu Zweit. 

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In der Generation Ihrer Tochter ist es zur Normalität geworden, spät oder gar nicht zu heiraten und unehelich Familien zu gründen. Wie war die Einstellung zur Ehe, als Sie zwanzig oder dreißig waren? 

Aufgrund meiner konservativen Erziehung und dem Vorgelebten, gleichzeitig auch aus meinem Glauben heraus, war die Ehe natürlich ein Muss oder eine logische Konsequenz. Bei meinem zweiten Mann habe ich mich allerdings gegen eine vorläufige Ehe ausgesprochen, da die Umstände es damals nicht zugelassen haben. Wir haben erst geheiratet, als meine Tochter fast drei Jahre alt war. Ich denke, die Ehe ist kein Muss, aber gehört dazu, wenn man sie als ein äußeres und inneres Zeichen der Verbundenheit und des Gemeinsamen ansieht und vor allem auch, wenn man aus Liebe heiratet und nicht wegen dem Rund-Herum. Ich denke es ist eine ganz persönliche Entscheidung. 

Wie wurden Sie von Ihren eigenen Eltern in Bezug auf Aufklärung, Sex, das erste Mal, Selbstbefriedigung erzogen? Hatten Sie offene Eltern oder war Sexualität in Ihrer Familie ein Tabuthema? 

Es war immer ein Tabuthema, aber dennoch wurde ich in den Grundlagen aufgeklärt. Ansonsten gab es großes Theater und nichts, worüber man spricht. Viel Schauspiel! Aufklärung fand anhand von Zeitschriften, Filmen und unter den Freunden statt, wenn überhaupt. 

Bei femtasy wollen wir die Frauen dazu ermutigen ihre sexuellen Fantasien zu intensivieren und offener über Selbstbefriedigung zu sprechen. Können Sie sich erinnern, wie das früher in Ihrem Freundeskreis war? Haben Frauen in Ihrer Jugend masturbiert und wenn ja, haben Sie sich darüber ausgetauscht? 

Auch im Freundeskreis wurde nicht darüber wirklich gesprochen. Ich hörte manchmal, wie oft manche Paare Sex hatten bzw. wie oft man Sex haben sollte. Aber über Masturbation oder was in den Betten geschah, wurde nicht gesprochen. Nur wenn ein Mann fremd ging und es zur Scheidung kam, erzählten die Frauen manchmal, was der Mann mit der anderen Frau gemacht hat oder welche Wünsche er hatte, aber nie darüber gesprochen hat. 

Manchmal haben kleine Andeutungen schon darauf schließen lassen, wovon sie geträumt haben oder welche Wünsche sie hatten.  Aber leider wurden diese nie ausgesprochen. Ich muss aber sagen, dass viele Frauen  auch heute noch immer nicht darüber sprechen! Ich persönlich spreche eigentlich mit meinen Töchtern, mit den Männern, mit denen ich eine Beziehung hatte, oder mit guten Freunden darüber. Männer sind da anscheinend offener oder es gibt weniger Konkurrenzdenken unter Männern als unter Frauen. Scham spielt natürlich auch eine große Rolle!             

Liebe Christa, vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre offenen Worte. Wir finden den Vergleich zwischen unserer und Ihrer Generation unglaublich spannend.

 

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Julie

Gründerin von femtasy und begeisterte 'Von Frau zu Frau'-Interviewerin :)

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