Starke Frauen

Ich war das unsicherste Mädchen der Klasse

Yma erzählt uns, wie sie vom unsichersten Mädchen der Klasse zu einer Frau wurde, die sie früher selbst gebraucht hätte. Wir sprechen über Selbstbestimmung, Selbstliebe und Konkurrenzdenken unter Frauen. Vielen Dank für das interessante Gespräch, liebe Yma!

Liebe Yma, auf Deinem Instagram-Account zeigst du Dich selbstbewusst und gerne auch mal etwas freizügiger. Finden wir beeindruckend! Du wirkst so als wärst Du wirklich im Reinen mit Dir und Deinen Körper. War das schon immer so?

Nein, im Gegenteil. Früher dachte ich, das mit Abstand unsicherste Mädchen der Klasse zu sein. Ungefähr im Alter von elf Jahren ging es los, dass ich mich mit den anderen verglichen habe. Ich war die erste mit Oberweite und hatte als eine der Wenigen keine Lücke zwischen den Beinen. Das hat mich total verunsichert. Ich bin davon ausgegangen, ernsthaft krank und hässlich zu sein. Mittlerweile bin ich zu der Frau geworden, die ich damals gebraucht hätte. Jemanden, der mir beibringt, dass Selbstliebe nicht von deinem Körper, sondern von deiner Psyche abhängt.

Siebzig Prozent Deiner Follower sind weiblich – der Beweis dafür, dass es unter Frauen nicht nur Neid und Stutenbissigkeit gibt, sondern Zusammenhalt und Anerkennung, auch für sinnliche und erotische Aufnahmen. Immerhin bewundern fast 5.000 Frauen Deine Akt- und Nacktfotos auf Instagram – uns eingeschlossen. 🙂 Bist Du stolz darauf, dass Du mehrheitlich Frauen ansprichst? Begegnet Dir doch zwischendurch auch “Konkurrenzdenken” anderer Frauen?

Ich kann mich mit meiner Community sehr glücklich schätzen. Als ich vor sechs Jahren mit Instagram angefangen habe, gab es noch viele negative Kommentare unter meinen freizügigen Bildern. Die kamen teilweise von den gleichen Frauen, die mir noch heute folgen und mittlerweile dankbar für meinen positiven Content sind. An den letzten zwei Jahren gemessen, kann ich mich nur an einen einzigen “Hate”-Kommentar erinnern. Dass sich sonst niemand mir gegenüber abwertend äußert, liegt vermutlich daran, dass ich es geschafft habe, vielen Frauen ein gutes oder zumindest besseres Selbstwertgefühl zu vermitteln. Anders als es zum Beispiel die Medien tun. Ein Abnehmprodukt hier, der nächste rosafarbene Rasierer mit “weiblichem Pfirsichduft” dort… Natürlich kann ich dieses konstruierte Gebilde unserer Gesellschaft, das Konsum fördern soll, nicht gänzlich abschaffen. Aber ich gebe mein Bestes, wenigstens in ein paar Köpfen den Schalter umzulegen.

Du sagst über Dich selbst, dass du Dich bereits in jungen Jahren für Nacktheit und die Erotik-Industrie faszinieren konntest. Das macht uns neugierig – wie hat sich dieses Interesse geäußert? 

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie ich in ganz jungen Jahren mit meiner Mutter durch eine Buchhandlung gelaufen bin und sie meinte, dass ich mir ein Buch aussuchen darf. Dabei ist mir eins direkt ins Auge gefallen, für das ich mich ganz bewusst entschieden habe. Es trug den Titel: ”Mama, wie bin ich in deinen Bauch gekommen?” Da war ich vielleicht sechs Jahre alt und habe gehofft, statt aufgeklärt zu werden, nackte Menschen zu sehen. Wieso das so war, weiß ich bis heute nicht. Ich scheine von Natur aus offen gegenüber Sexualität zu sein. Den ersten Porno habe ich dann zu Beginn meiner Pubertät gesehen – etwa mit zehn Jahren aus Neugierde und Spaß. Seitdem habe ich auch nicht mehr damit aufgehört. Mit dem Unterschied, dass ich Pornos gegenüber kritischer geworden bin. 

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Wie reagieren Menschen auf Deine Offenheit, auch gegenüber der weiblichen Sexualität? Suchst Du aktiv das Gespräch mit deinem Umfeld?

Es gibt viele, die meine Offenheit falsch interpretieren und denken, dass ich für Aufmerksamkeit, Geld oder aus Provokation halbnackte Bilder von mir poste. Sicherlich hat das auch seinen Reiz, aber ich mache das einfach nur, weil es mir Spaß macht und ich es ästhetisch finde. Für mich gibt es kaum etwas Faszinierendes und Schöneres als den menschlichen Körper. Egal, ob kerngesund oder sterbenskrank, dünn, fett, weiß oder schwarz. Das mag jetzt buddhistisch klingen, aber jeder Körper ist gut und sollte allein für das Sein bewundert werden.

Wenn ich auf Instagram ein “After Sex-Selfie” poste oder Witze über meine nächtliche Masturbation mache, sind die Rückmeldungen durchweg positiv. In der “realen” Welt sieht das leider anders aus. Wenn ich leichtbekleidet unterwegs bin oder mit meinem Vater über meine Sexualität spreche, treffe ich oft auf Unverständnis. An Sätze wie “Du hast doch viel mehr zu bieten als deinen Körper”, “Du präsentierst dich billig” und “Du bläst bestimmt gut” habe ich mich schon gewöhnt. Letzterer stammt natürlich nicht von meinem Vater. Oh Gott…

 Ob ich das Gespräch suche, mache ich von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Ich frage mich selbst, wie gut ich die Person kenne und wie wichtig sie mir ist. Inwiefern würde mich ihre Meinung beeinflussen? Meinem Vater zum Beispiel möchte ich meine Sichtweise nicht aufzwingen. Ich kann gut verstehen, dass er sich Sorgen um seine Tochter macht. Wenn ich aber wegen Äußerlichkeiten belästigt oder dumm angemacht werde, mache ich schon klare Ansagen.

Wir können sicher von Dir lernen! Hast du einen Tipp für alle Frauen, die noch nicht so selbstbewusst sind, wie Du es bist?

Gefühle zulassen. Nicht darüber nachdenken, was andere denken könnten. Bevor du ein figurbetontes Kleid anziehst oder ein Bild von dir postest, frag dich selbst: “Fühle ich mich damit wohl?” Wenn die Antwort “Ja” ist, zieh es an. Poste das Bild. Wenn die Antwort “Nein” ist, frag nach dem Wieso. Weil andere schlecht über dich reden könnten oder weil du aus dir selbst heraus unzufrieden bist? Ersteres sollte dir egal sein. Es ist dein Leben, nicht das der anderen. Trifft Letzteres zu, habe keine Angst davor, deine Selbstzweifel bei deinem Hausarzt oder einem Therapeuten anzusprechen. Vielleicht steckt mehr dahinter, als du denkst. Dann kann dir professionell und auf eine gesunde Art und Weise geholfen werden.

Wir wollen es genau wissen: welches Körperteil magst du am liebsten an Dir, auf was bist Du besonders stolz?

Es gibt nichts, worauf ich besonders stolz bin. Dafür müsste ich erstmal etwas Besonderes für meinen Körper leisten. Klar, ich trinke viel Wasser, achte auch auf meine Ernährung und versuche, viel Bewegung in den Alltag zu integrieren. Ich schminke mich auch gerne. Aber mit vielen, worauf andere sehr lange hinarbeiten oder wofür sie viel Geld ausgeben müssen, bin ich einfach schon geboren. Wenn ich die Arbeitsdisziplin aufbringen würde, um mir eine Nasen-OP leisten zu können, wäre es vielleicht meine Nase. Oder mein krasses Sixpack. Die meiste Energie und Zeit stecke ich momentan jedoch nicht in Äußerlichkeiten. Deswegen ist mein Lieblingskörperteil mein Kopf. Voll philosophisch und so.

Danke, liebe Yma, für Deine Ehrlichkeit! Du kannst stolz auf Dich sein, für viele Frauen ein Vorbild zu sein. Wir verfolgen auf jeden Fall weiter aufmerksam Deinen Weg! 🙂

 Ich habe zu danken!

Julie

Gründerin von femtasy und begeisterte 'Von Frau zu Frau'-Interviewerin :)

6 Kommentare

  1. Ich verfolge Yma jetzt schon sehr lange und sie war schon immer eine sehr inspirierende Person für mich. 🌹✨

  2. Super inspirierend. Es ist wirklich schwer heutzutage sich bedingungslos zu lieben, aber je mehr Vorbilder beginnen, desto schneller kommt der Wandel hoffentlich.

    • Hallo Lissi, danke für Deinen Kommentar. Das ist auf jeden Fall ein gutes Start, finden wir. Liebe Grüße vom Team!

  3. Yma ist so eine sympathische junge Frau. Ich feier ihre Einstellung mega und folge ihr schon lange, weil ihre Bilder und ihr Body einfach zu krank sind.😍 Fand sie schon auf Ask cool und anders.Ich finde jede Frau sollte sich so zeigen wie sie ist und nicht versuchen sich krampfhaft an irgendwelche Ideale anzupassen. Yma ist ein gutes Vorbild für jede Frau, selbstbewusst und sexy zu sein ohne billig zu wirken.🙏🏻

    • Hallo Julia, das Kompliment geben wir gerne an Yma weiter. Sie ist wirklich super! Viele Grüße 💐

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